Projekt
Mission Statement
In den frühen 1990er Jahren, als das Internet im öffentlichen Bewusstsein noch kaum präsent war, entstanden, neben der »net.art« im engeren Sinne, von KünstlerInnen und ProgrammiererInnen gemeinsam entwickelte Netzprojekte, die man mit dem heute aktuellen Begriff »Communities« bezeichnen kann. Über den kunstimmanenten Horizont hinaus liegt ihre medienhistorische Bedeutung darin, wesentlich zur gesellschaftlichen Implementierung von Online-Medien beigetragen und zugleich ihre politische Dimension antizipiert zu haben. Technische Machbarkeit, künstlerische Konzepte und sozial-kommunikative Innovation waren hier noch eng verbunden, oberste Regel war die Autonomie außerhalb jeglicher kommerzieller oder staatlicher Kontrolle. Die historische Bedeutung dieser Netzpioniere wird durch die heutige Situation (Stichwort Web 2.0) umso deutlicher. Dennoch erachtet sich kein Institutionstypus für ihre Erhaltung und Archivierung zuständig, die Arbeiten fallen deshalb durch das Raster der kulturellen Gattungen und werden weder von Bibliotheken noch Museen oder Medienarchiven erfasst.
Digital Cultural Heritage
Auch vor diesem Hintergrund des »Digital Cultural Heritage«-Gedankens versteht sich das Projekt als kunstwissenschaftliche und softwaretechnische Aufbereitung sowie auf den Medien- und Kunstkontext der Zeit bezogene inhaltliche Revision künstlerischer Netzprojekte seit den frühen 1990ern (teils entstanden vor der Etablierung des World-Wide-Web). Der Schwerpunkt liegt damit nicht nur auf einzelnen Netzkunstwerken, sondern auf der frühen Community-Bildung (u. a. als Vorläufer der Kategorie »Digital Communities« des Prix Ars Electronica).
Werkgruppen
Anhand der exemplarischen Wiederveröffentlichung und der kunstwissenschaftlichen Dokumentation der netzbasierten Künstler-Kollaborationen »THE THING Vienna« (1993–2004), »THE THING New York« (1991-2004) sowie der Aufarbeitung der Frühphase der »public netbase« (1994–2006), einer Arbeit von Holger Friese sowie ausgewählter Werke der Künstlergruppe »jodi« (1994–dato) werden quellenkritische Überlegungen (siehe Grundlagenforschung) zu digitaler Netzkunst praktisch umgesetzt. Durch die inhaltliche Einbindung der jeweiligen KünstlerInnen und OrganisatorInnen werden auf kunstwissenschaftlicher Ebene Fragen zu werkgerechter Dokumentation, Repräsentation und Musealisierung von genuin digitalen Kunstwerken im digitalen Medium diskutiert und hierfür praktische Lösungen entwickelt. Das Projekt ist bis Ende 2009 anberaumt.

